Wolfgang R. Kubizek

… und alle Toten starben friedlich…

Oratorium in fünf Teilen
für Soli, Chor und Orchester
Text: Vladimir Vertlib
 

Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die einen Weg sucht, mit der bedrängenden Geschichte des Massenmordes in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern umzugehen. Sie weiß nicht, wie sie die emotionale und moralische Last verarbeiten soll.

Zunächst flüchtet sie in Traumbilder und stellt sich vor, es hätte das KZ Mauthausen nie gegeben, doch die Stimmen der Überlebenden, die vom Steinbruch, von Selektionen, von den Todesmärschen berichten, holen sie in die Wirklichkeit zurück. In einer Reihe von Dialogen lernt die junge Frau dann Menschen kennen, die sehr unterschiedlich zur Geschichte der NS-Verbrechen stehen.

Eine Antisemitin relativiert die historischen Tatsachen, ein pseudorevolutionärer ehemaliger 68er lässt die Shoah in der allgemeinen Klage über die Schlechtigkeit der Menschen untergehen, die Tochter eines Shoah-Überlebenden erzählt davon, wie quälend gegenwärtig die Geschichte für sie ist und wie wenig die Nachfahren der Täter bereit sind, sich damit auseinander zu setzen, der Sohn eines ehemaligen Wehrmachtssoldaten schließlich berichtet von seinen erbitterten vergeblichen Versuchen, mit seinem Vater über die Beteiligung an den Verbrechen zu reden.

Aus diesen Begegnungen geht die junge Frau voll Unsicherheit hervor. „Wo liegt der Weg, den ich beschreiten muss?“, fragt sie den Chor der Opfer, die zwischendurch immer wieder zu Wort kamen, am Schluss: „Was sind die Lehren, die ich ziehen kann?“ und „Was ist die Hoffnung, die mir bleibt?“ In ihren Antworten geben die Opfer den Weg nicht vor, sie bieten keine Lehren an, sie trösten nicht. Aber sie versichern der jungen Frau, dass sie mit ihren Erfahrungen da sind.
Sie lassen sich nicht benützen und nicht verdrängen, sie sagen, was war. An die Stimmen der Opfer kann sich die junge Frau halten, wenn sie Schritt für Schritt tastend zwischen Verzweiflung, Schuldgefühl und Hoffnung ihren Weg durch die Geschichte sucht.

(Zusammenfassung: Christian Angerer)